FÜR ÄRZTINNEN UND ÄRZTE

Ein Begleitungsinstrument — kein Gutachten.

Dynergia misst wöchentlich, wie sich die funktionelle Belastbarkeit einer Person während einer psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit entwickelt. Es liefert Verlaufsdaten für die Zeit zwischen Ihren Konsultationen. Es beurteilt keine Arbeitsfähigkeit, stellt keine Diagnose und empfiehlt keine Behandlung.

Die Entscheidung bleibt, wo sie hingehört.

Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist eine ärztliche und rechtliche Aufgabe. Dynergia übernimmt sie nicht und soll sie nicht vorbereiten. Was das Instrument liefert, ist eine objektive Verlaufsbeobachtung — dort, wo heute nichts erhoben wird: zwischen den Konsultationen, über Wochen, im Alltag der Person.

Die klinische Beurteilung hat Vorrang: Ein abweichender ärztlicher Entscheid ist kein Widerspruch zum Bericht, sondern dessen bestimmungsgemässe Anwendung.

Drei Abgrenzungen, ausdrücklich:

Keine DiagnostikDie Kennzahl ist kein Screening, kein Test auf eine Störung, kein Symptommass.
Kein BehandlungsvorschlagAus den Daten folgt keine Empfehlung — weder Medikation noch Therapie noch Pensum.
Keine LeistungsentscheideDie Verwendung für Anspruchsprüfung, Risikoprüfung oder Weitergabe an Arbeitgeber ist vertraglich ausgeschlossen.

Dynergia ist Entscheidungsunterstützung für die Fallführung, verankert in der Autorität der behandelnden Ärztin — es beurteilt keine Arbeitsfähigkeit und verordnet keine Behandlung.

Funktion, nicht Befinden.

Drei Kanäle, wöchentlich zu einer Verlaufskennzahl zusammengeführt — immer nur im Vergleich mit der Ausgangslage derselben Person, nie mit anderen Menschen und nie mit einer Normstichprobe.

AufmerksamkeitskapazitätEin kurzer Leistungstest im Browser. Gemessen wird nicht, ob jemand eine Aufgabe lösen kann, sondern wie stabil die Leistung über die Testdauer bleibt. Konkret: ein 10-minütiger Vigilanztest innerhalb einer Sitzung von ca. 13–15 Minuten, in einem durchgehenden Block, mit den Stimulusparametern der Kurzform PVT-B (1–4 s Interstimulusintervall, Lapse-Schwelle 355 ms). Diese Kombination ist nicht eigenständig validiert, und ein Normvergleich wird weder beansprucht noch wäre er möglich.
Tagesstruktur & ErholungDie Regelmässigkeit des Schlaf-Timings und die subjektive Erholung, morgens in einem kurzen Schlafblock berichtet. Primäres Mass ist die Nacht-zu-Nacht-Variabilität des Schlafmittelpunkts; die Erfassung der Schlafregularität folgt dem Sleep Regularity Index, dessen ursprüngliche Berechnung auf täglichen Schlaftagebüchern beruht (Phillips et al. 2017, Sci Rep 7:3216) — der Selbstbericht ist die native Datenquelle dieses Index. Lädt die versicherte Person Daten einer handelsüblichen Uhr hoch, ergänzen passive Ruhe-Aktivitäts-Masse (IS, IV, RA, L5, M10) die Ebene; ohne Sensor werden sie als nicht erfasst ausgewiesen — nie geschätzt. In berichtsbasierten Wochen misst die Ebene Schlaf-Timing-Regularität und subjektive Erholung — und sagt das auch. Keine Schrittzahlen, keine Standortdaten, keine Inhalte.
Vorhaben und UmsetzungMorgens eine kurze Absichtsfrage, abends eine kurze Umsetzungsfrage. Die Differenz ist ein eigenständiges Funktionssignal.

Die drei Kanäle erfassen einen Ausschnitt der beruflichen Funktionsfähigkeit — soziale Interaktion, Konfliktfähigkeit und emotionale Selbstregulation bleiben klinische Beurteilung.

Grundlagen

Die folgenden Arbeiten begründen die Auswahl der Instrumente. Sie sind keine Evidenz für den FCI; dieser ist nicht klinisch validiert.

Die Kurzform PVT-B ist gegenüber totalem und partiellem Schlafentzug sensitiv; für sie wurde das Intervall von 10 auf 3 Minuten und das Interstimulusintervall von 2–10 auf 1–4 s verkürzt (Basner, Mollicone & Dinges 2011, Acta Astronautica 69:949–959). Die dreiminütige PVT-B zeigt über sechzehn wiederholte Durchführungen bei gesunden Erwachsenen stabile Werte (Basner et al. 2018, Sleep 41(1):zsx187). Ob diese Stabilität für unsere zehnminütige Variante oder in einer klinischen Population gilt, ist nicht geprüft.

Für kurze PVT-Varianten ist die mittlere reziproke Reaktionszeit stabiler als die Lapse-Zahl, und Kurzform und Zehn-Minuten-Version sind nicht austauschbar (Antler et al. 2022, Front Neurosci 16:815697).

Bei klinischem Burnout führt anhaltende geistige Beanspruchung zu früher einsetzender subjektiver Ermüdung, zu geringeren Übungsgewinnen in Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie zu einem späten Abfall der Herzratenvariabilität (Gavelin et al. 2023, Biological Psychology 183:108661; ergänzend Krabbe et al. 2017, Stress 20(4):333–340). Unser komprimierter Ermüdbarkeitsindex ist eine ungeprüfte Anpassung dieses Paradigmas.

Die SART-Aufgabe geht auf Robertson et al. 1997 zurück (Neuropsychologia 35(6):747–758).

Die Rhythmuskennwerte folgen der nicht-parametrischen Chronobiologie (Witting et al. 1990; Van Someren et al. 1999). Die Schlaf-Items sind am Consensus Sleep Diary (Carney et al. 2012, Sleep 35(2):287–302) und am Munich Chronotype Questionnaire (Roenneberg et al. 2003, J Biol Rhythms 18(1):80–90) orientiert; die Erfassung der Schlaf-Timing-Regularität folgt dem Sleep Regularity Index, dessen ursprüngliche Berechnung auf täglichen Schlaftagebüchern beruht (Phillips et al. 2017, Sci Rep 7:3216).

Ihre Patientin entscheidet, nicht die Versicherung.

Dies ist der Kern der Architektur, und er unterscheidet Dynergia von allem, was sonst aus einer Versicherung an Sie gelangt:

  • Die versicherte Person sieht ihren Bericht zuerst.
  • Sie wählt bei Beginn — und kann es jederzeit ohne Begründung ändern —, wer ihn ebenfalls erhält: Sie als behandelnde Ärztin oder behandelnder Arzt, das Care Management, beide oder niemand.
  • Wenn Sie einen Bericht erhalten, dann deshalb, weil Ihre Patientin das so entschieden hat. Nicht, weil eine Versicherung dafür bezahlt hat.
  • Die Versicherung erhält ausschliesslich anonymisierte Auswertungen über alle begleiteten Fälle hinweg — nie Einzeldaten, nie Rohdaten.

Keine zusätzliche Pflicht.

Keine ÜberwachungsaufgabeSie sind nicht verantwortlich dafür, Daten zu beobachten oder auf Verläufe zu reagieren.
Keine ReaktionspflichtWenn Sie einen Bericht nicht anschauen, entsteht daraus nichts — für Sie nicht und für Ihre Patientin nicht.
Keine DokumentationslastNichts muss zurückgemeldet, bestätigt oder gegengezeichnet werden.
Keine SoftwareNichts zu installieren, nichts zu lernen.

Wenn der Verlauf für ein Gespräch nützlich ist, verwenden Sie ihn. Wenn nicht, ignorieren Sie ihn folgenlos.

Keine Auswertung in Echtzeit

Die Auswertung erfolgt wöchentlich. Zwischen einem Messpunkt und seiner Auswertung vergehen bis zu acht Tage. Dynergia ist kein Notfall- und kein Krisensystem, und es ersetzt keine klinische Beobachtung. Die Krisennummern 143, 147 und 144 stehen auf jedem Bildschirm, den die versicherte Person sieht — dauerhaft und unabhängig davon, was sie eingibt.

Wie der Bericht zu Ihnen gelangt, ist noch nicht gebaut.

Das ist eine bewusste Lücke, keine Auslassung. Ein Instrument, dessen ganze Logik an der ärztlichen Entscheidungskompetenz hängt, muss den Weg zur Ärztin so bauen, dass er in einer realen Praxis funktioniert — und nicht so, wie eine Software es sich vorstellt.

Was bisher feststeht, aus Gesprächen mit Hausärztinnen und Hausärzten:

Monatlich statt wöchentlichEin wöchentlicher Bericht ist für die Praxis zu viel; der Verlauf über einen Monat ist die richtige Auflösung.
Kurz und visuellDer Verlauf muss in Sekunden erfassbar sein.
Kein Login-Zwangund keine zusätzliche Plattform.

Die konkrete Umsetzung entsteht mit der ersten Pilotstudie — gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten, die sie nutzen werden. Wenn Sie dazu eine Meinung haben, hören wir sie gerne.

Stimmen aus der Praxis

«Für mich ist das ein Begleitungsinstrument.»

Hausarzt, langjährige Praxis

«Wie eine Krankschreibung begleitet wird, hängt heute stark davon ab, bei welcher Kasse jemand versichert ist und wer den Fall führt. Manche warten Monate, bis überhaupt eine Begleitung beginnt.»

Hausarzt, langjährige Praxis

Fragen, Einwände, Widerspruch

Dynergia entsteht im Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten, Care Managerinnen und Betroffenen. Wenn Sie etwas daran für falsch halten, ist das für uns die nützlichste Rückmeldung.

Kontakt: info@dynergia.ch