Ein Begleitungsinstrument — kein Gutachten.
Dynergia misst wöchentlich, wie sich die funktionelle Belastbarkeit einer Person während einer psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit entwickelt. Es liefert Verlaufsdaten für die Zeit zwischen Ihren Konsultationen. Es beurteilt keine Arbeitsfähigkeit, stellt keine Diagnose und empfiehlt keine Behandlung.
Die Entscheidung bleibt, wo sie hingehört.
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist eine ärztliche und rechtliche Aufgabe. Dynergia übernimmt sie nicht und soll sie nicht vorbereiten. Was das Instrument liefert, ist eine objektive Verlaufsbeobachtung — dort, wo heute nichts erhoben wird: zwischen den Konsultationen, über Wochen, im Alltag der Person.
Die klinische Beurteilung hat Vorrang: Ein abweichender ärztlicher Entscheid ist kein Widerspruch zum Bericht, sondern dessen bestimmungsgemässe Anwendung.
Drei Abgrenzungen, ausdrücklich:
Dynergia ist Entscheidungsunterstützung für die Fallführung, verankert in der Autorität der behandelnden Ärztin — es beurteilt keine Arbeitsfähigkeit und verordnet keine Behandlung.
Funktion, nicht Befinden.
Drei Kanäle, wöchentlich zu einer Verlaufskennzahl zusammengeführt — immer nur im Vergleich mit der Ausgangslage derselben Person, nie mit anderen Menschen und nie mit einer Normstichprobe.
Die drei Kanäle erfassen einen Ausschnitt der beruflichen Funktionsfähigkeit — soziale Interaktion, Konfliktfähigkeit und emotionale Selbstregulation bleiben klinische Beurteilung.
Grundlagen
Die folgenden Arbeiten begründen die Auswahl der Instrumente. Sie sind keine Evidenz für den FCI; dieser ist nicht klinisch validiert.
Die Kurzform PVT-B ist gegenüber totalem und partiellem Schlafentzug sensitiv; für sie wurde das Intervall von 10 auf 3 Minuten und das Interstimulusintervall von 2–10 auf 1–4 s verkürzt (Basner, Mollicone & Dinges 2011, Acta Astronautica 69:949–959). Die dreiminütige PVT-B zeigt über sechzehn wiederholte Durchführungen bei gesunden Erwachsenen stabile Werte (Basner et al. 2018, Sleep 41(1):zsx187). Ob diese Stabilität für unsere zehnminütige Variante oder in einer klinischen Population gilt, ist nicht geprüft.
Für kurze PVT-Varianten ist die mittlere reziproke Reaktionszeit stabiler als die Lapse-Zahl, und Kurzform und Zehn-Minuten-Version sind nicht austauschbar (Antler et al. 2022, Front Neurosci 16:815697).
Bei klinischem Burnout führt anhaltende geistige Beanspruchung zu früher einsetzender subjektiver Ermüdung, zu geringeren Übungsgewinnen in Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie zu einem späten Abfall der Herzratenvariabilität (Gavelin et al. 2023, Biological Psychology 183:108661; ergänzend Krabbe et al. 2017, Stress 20(4):333–340). Unser komprimierter Ermüdbarkeitsindex ist eine ungeprüfte Anpassung dieses Paradigmas.
Die SART-Aufgabe geht auf Robertson et al. 1997 zurück (Neuropsychologia 35(6):747–758).
Die Rhythmuskennwerte folgen der nicht-parametrischen Chronobiologie (Witting et al. 1990; Van Someren et al. 1999). Die Schlaf-Items sind am Consensus Sleep Diary (Carney et al. 2012, Sleep 35(2):287–302) und am Munich Chronotype Questionnaire (Roenneberg et al. 2003, J Biol Rhythms 18(1):80–90) orientiert; die Erfassung der Schlaf-Timing-Regularität folgt dem Sleep Regularity Index, dessen ursprüngliche Berechnung auf täglichen Schlaftagebüchern beruht (Phillips et al. 2017, Sci Rep 7:3216).
Ihre Patientin entscheidet, nicht die Versicherung.
Dies ist der Kern der Architektur, und er unterscheidet Dynergia von allem, was sonst aus einer Versicherung an Sie gelangt:
- Die versicherte Person sieht ihren Bericht zuerst.
- Sie wählt bei Beginn — und kann es jederzeit ohne Begründung ändern —, wer ihn ebenfalls erhält: Sie als behandelnde Ärztin oder behandelnder Arzt, das Care Management, beide oder niemand.
- Wenn Sie einen Bericht erhalten, dann deshalb, weil Ihre Patientin das so entschieden hat. Nicht, weil eine Versicherung dafür bezahlt hat.
- Die Versicherung erhält ausschliesslich anonymisierte Auswertungen über alle begleiteten Fälle hinweg — nie Einzeldaten, nie Rohdaten.
Keine zusätzliche Pflicht.
Wenn der Verlauf für ein Gespräch nützlich ist, verwenden Sie ihn. Wenn nicht, ignorieren Sie ihn folgenlos.
Keine Auswertung in Echtzeit
Die Auswertung erfolgt wöchentlich. Zwischen einem Messpunkt und seiner Auswertung vergehen bis zu acht Tage. Dynergia ist kein Notfall- und kein Krisensystem, und es ersetzt keine klinische Beobachtung. Die Krisennummern 143, 147 und 144 stehen auf jedem Bildschirm, den die versicherte Person sieht — dauerhaft und unabhängig davon, was sie eingibt.
Wie der Bericht zu Ihnen gelangt, ist noch nicht gebaut.
Das ist eine bewusste Lücke, keine Auslassung. Ein Instrument, dessen ganze Logik an der ärztlichen Entscheidungskompetenz hängt, muss den Weg zur Ärztin so bauen, dass er in einer realen Praxis funktioniert — und nicht so, wie eine Software es sich vorstellt.
Was bisher feststeht, aus Gesprächen mit Hausärztinnen und Hausärzten:
Die konkrete Umsetzung entsteht mit der ersten Pilotstudie — gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten, die sie nutzen werden. Wenn Sie dazu eine Meinung haben, hören wir sie gerne.
Stimmen aus der Praxis
«Für mich ist das ein Begleitungsinstrument.»
Hausarzt, langjährige Praxis
«Wie eine Krankschreibung begleitet wird, hängt heute stark davon ab, bei welcher Kasse jemand versichert ist und wer den Fall führt. Manche warten Monate, bis überhaupt eine Begleitung beginnt.»
Hausarzt, langjährige Praxis
Fragen, Einwände, Widerspruch
Dynergia entsteht im Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten, Care Managerinnen und Betroffenen. Wenn Sie etwas daran für falsch halten, ist das für uns die nützlichste Rückmeldung.
Kontakt: info@dynergia.ch